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Typ 15g: Große sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse

davon Phytoplankton-Typ 15.1: Sand-, lehm- und kiesgeprägte Tieflandflüsse mit kleinem Einzugsgebiet (1000 bis 5000 km²)


Relevante Bewertungsmodule:

„Eutrophierung“


Modul „Eutrophierung“:



 
 
 
Parameterwerte der
Klassengrenzen (KG)
Parameter
Metric-Name
Bewertungswert
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Chlorophyll a unkorrigiert
Gesamt-pigment
1,9907 * Ln(Chla) - 4,4749 und wenn < 0,5=0,5; wenn > 5,5 =5,5
20
33
55
90
% Pennales
Pennales-Index
wenn > KG 1/2 = "1"; wenn < KG 2/3 = "2"; sonst "3"
20
15
n. d.
n. d.
% Cyanobacteria
Cyano-Index
wenn > KG 4/5 = "5"; wenn in Bereich K 3/4 = "4"; sonst wie "Gesamtpigment"
> 10 und < 20
20
Indikatorarten und Trophie-Optima
TIP
Bewertungswert ist TIP -Wert
≤1,5
≤2,5
≤3,5
≤4,5

Textliche Erläuterung:

Die Phytoplanktonzönose großer sand- und lehmgeprägter Tieflandflüsse ist in solchen mit kleinem Einzugsgebiet (PP-Typ 15.1) weniger planktondominiert als in den Tieflandflüssen mit einem großen Einzugsgebiet (PP-Typ 15.2). Bedingt durch eine erhebliche vegetationsbedingte Beschattung sowie durch die geringe Gewäs-sertiefe, bildet sich im referenznahen Zustand keine relevante Biomasse des Phytoplanktons aus, was sich im Saisonmittel (Apr-Okt) in einer Gesamtpigment-Konzentration unter 20 µg/l ausdrückt. Die "planktische" Referenztrophie liegt im mesotrophen Bereich. Der Subtyp mit kleinem Einzugsgebiet weist aufgrund des flachen Gewässerprofils im guten Zustand einen erheblichen Anteil benthischer Pennales und wenige echte Planktonalgen auf. Cyanobacteria sind im unbelasteten Zustand unbedeutend (< 10%). Die Erstellung des Leitbildes aus empirischen Daten ist noch ungesichert durch den Umstand, dass in Deutschland strukturell referenz-nahe Gewässer zumeist leicht bis stark nährstoffbelastet sind, andererseits solche mit referenznaher Trophie strukturell erheblich verändert sind.

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Die Großen sand- und lehmgeprägten Tieflandflüsse mit relativ kleinen Einzugsgebiet zeichnen sich durch geringe Gewässertiefe und eine starke Beschattung durch Ufervegetation und Wasserpflanzen (Makrophyten) aus, was die Entwicklung typischer Plankton- und Potalmal-Arten unterdrückt und die Benthos-Flora fördert (TIP). Im naturnahen Zustand sind viele benthische Pennales (Pennales Index) und Arten von Euglena ins Plankton verdriftet, während Cyanobacteria (Cyano-Index) unbedeutend sind. In hinsichtlich der Gewässerstruktur degra-dierten Zuständen (Verlust der baumreichen Ufer- und der Makrophytenvegetation; Gewässervertiefung) können Cyanobacteria gehäuft auftreten, während der Anteil Pennales dann überwiegend gering ist. Im Gegensatz dazu variiert der Anteil der Chlorophyceae in allen ökologischen Zustandsklassen erheblich, sodass eine solche Kenngröße (Chloro-Index) für Tieflandflüsse mit kleinem Einzugsgebiet ungeeignet ist.

Die Konzentration des Gesamtpigment steigt unter günstigen Wachstums-bedingungen mit steigender Nährstoffkonzentration (Gesamtphosphor) an, dies kann aber aufgrund natürlicher limitierender Umwelteinflüsse, wie einer flächen-relevanten Beschattung oder einer starken Trübung durch anorganische Stoffe aus anliegenden Niedermooren und Auwäldern, ausbleiben.

Gesamtpigment: Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse mit kleinem Einzugsgebiet sind aufgrund der auf weiten Strecken vegetationsbedingten Beschattung und flachen Gewässerprofils planktonarm (maximal 20 µg/l messbar als Chlorophyll a (unkorrigiert) bei Gesamtphosphorkonzentrationen (TP) unter 50 µg/l). Die Sensitivität für Nährstoff bei natürlicher Gewässerstruktur ist gering, sodass noch bei TP bis zu 135 µg/l, das Saisonmittel für Gesamtpigment unter ca. 30 µg/l ver-bleibt. Die in diesem Gewässertyp oft zahlreichen, seeausflussgeprägten Fluss-abschnitte (Typ 21) sind hierbei nicht einzubeziehen, in denen Seeplankton in hohen Konzentrationen eingetragen und durch Filtration (Muscheln etc.) und Sedimentation zwischen Makrophyten eliminiert wird. Erst bei einer künstlich verlängerten Wasser-verweilzeit durch Veränderung der Flussbettstruktur und Verlust der vegetations-bedingter Beschattung werden diese Gewässer eutrophierungsgefährdet und planktonreich (mäßiger bis schlechter Zustand nach Index Gesamtpigment).

Pennales-Index: Verdriftetes Phytobenthos, überwiegend aus Pennales bestehend, trägt im referenznahen Zustand der kleinen sand- und lehmgeprägten Tieflandflüsse 15-30% zum Potamoplankton bei. Nimmt ihr Anteil auf unter 15% ab, ist von einem erheblich belasteten Gewässerzustand auszugehen. Aufgrund der ähnlichen Verteilung in den degradierten Zustandsklassen, kann keine graduierte Zuordnung zu einer der 3 Klasse erfolgen (mäßig, unbefriedigend, schlecht) und es wird stattdessen bei weniger als 15% Pennales die Zustandklasse "mäßig" (3) eingesetzt.

Cyano-Index: Cyanobacteria treten nur sehr vereinzelt und nur bei Eutrophierung in den sand- und lehmgeprägten Tieflandflüssen mit kleinem Einzugsgebiet auf. Der Cyano-Index indiziert bei hohen Prozentanteilen der Cyanobacteria einen unbefriedigenden (4) oder schlechten (5) Zustand. Verbleibt der Prozentanteil unter 10% kann aufgrund der ähnlichen Verteilung keine Zuordnung zu einer Zustandsklasse erfolgen und es wird anstelle des Cyano-Index nochmals der Bewertungswert für den Metrik Gesamtpigment eingesetzt. Das Klassenbiovolumen der Cyanobacteria muss den kritischen Wert von 0,5 mm³/l für die Anwendung des Cyano-Index übersteigen, darunter liegende Werte werden seit der Verfahrensmodifikation durch PhytoFluss Version 2.0 (April 2008) pauschal als "guter Zustand" für den Cyano-Index gewertet, ohne das die Schwellenwerte des Prozentanteils zur Anwendung kommen.

Typspezifischer Indexwert Potamoplankton (TIP): Für die Sand- und lehmgeprägten Tieflandflüsse mit kleinem Einzugsgebiet besteht eine gemeinsame Indikatorliste mit den in der Größe vergleichbaren kiesgeprägten Tieflandflüssen (1000-5000 km²; PP-Typ 17.1) mit 34 Taxa. Die Phytoplanktonzönose aller dieser Tieflandflüsse (PP-Typen 15.1 und 17.1) weist einen großen Anteil von Pennales im sehr guten Zustand auf mit verschiedenen Arten der Gattungen Amphora, Asterionella, Diatoma, Fragilaria davon als Indikator die F. ulna -Sippen und F. crotonensis, Navicula lanceolata, Nitzschia davon N. acicularis- Formenkreis, Stenopterobia und Surirella. Häufigste Arten der Chlorophyceae stammen aus der Gattung Scenedesmus. Cyanobacteria (Blaualgen) sind im gering belasteten Zustand immer mit einem Anteil unter 10% präsent. Angebundene, teils temporäre Stillgewässer beimpfen diese Tieflandflüsse mit Teichplankter wie Euglena, Chlamydomonas und Cryptomonas und mit mesotrophem Limnoplankter wie Ceratium und Gymnodinium.
Das zunehmende Auftreten von Störanzeigern wie Pediastrum, Fragilaria ulna angustissima-Sippen und Planktothrix erhöhen den Indexwert und zeigen einen stark belasteten Zustand an. Auch Cyclostephanos invisitatus ist ein Störanzeiger für diesen Gewässertyp, doch ist die Artbestimmung nicht mit der für das Bewertungsverfahren PhytoFluss geforderten Methode möglich.


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 18.01.2018
Online: http://fliessgewaesserbewertung.de/kurzdarstellungen/bewertung-phytoplankton/typ15_1/index.php