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Typ 11: Organisch geprägte Bäche


Relevante Bewertungsmodule:

„Saprobie“, „Allgemeine Degradation“


Modul „Saprobie“:

Tabelle 1: Grundzustand und Klassengrenzen des Saprobienindex

Grundzustand
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Metric-Name
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
T
Saprobienindex
1,65
1,80
2,25
2,85
3,40

Textliche Erläuterung:

Der Gewässertyp zeichnet sich durch einen mäßig hohen saprobiellen Grund­zustand aus. Ursache hierfür ist der relativ hohe endogene Anteil organisch ab­baubaren Materials (hohe Autosaprobität), die enge Verzahnung von Gewässer und Aue sowie die aus Letzterem resultierende weitgehend geringe Strömung, auch wenn das Gerinne selbst abschnittsweise turbulentere Strömung aufweist. Der Eintrag atmosphärischen Sauerstoffs ist daher deutlich eingeschränkt.


Modul „Allgemeine Degradation“:

Tabelle 2: Ankerpunkte und Metric-Werte der Core Metrics

Ankerpunkte
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Core Metric-Name
oben
unten
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Z/A
EPT [%] (HK)
50,00
5,00
41,00
32,00
23,00
14,00
T
Fauna-Index Typ 11/12
1,10
-0,70
0,74
0,38
0,02
-0,34
V/D
Anzahl Trichoptera-Arten
9,00
0,00
7,20
5,40
3,60
1,80

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Die Organisch geprägten Bäche sind in naturnahem Zustand kaum eingeschnitten und weisen einen geschwungenen Verlauf auf; es dominieren sekundäre organische Sohlsubstrate wie Torf, Holz, Grob- und Feindetritus, durchsetzt mit größeren Wasserpflanzenbeständen. Die Habitatvielfalt der organischen Substrate führt zu einer artenreichen Makrozoobenthoszönose, wo­bei Ephemeroptera, Plecoptera und Trichoptera in naturnahen Gewässern dieses Typs bis zu 50 % der vorkommenden Individuen stellen (EPT [%] (HK)). Die organischen Sekundärsubstrate, darunter vor allem der hohe Anteil an orga­nischem Feinmaterial, bedingt das Vorkommen speziell angepasster Arten (Fauna-Index Typ 11/12), darunter verschiedene Köcher­fliegenarten (Anzahl Trichoptera-Arten).

EPT [%] (HK): Ein hoher Anteil EPT-Taxa an den Gesamtindividuen indiziert u. a. eine hohe Strukturvielfalt und eine natürliche Habitatzusammensetzung. Niedrige Werte des Metrics (< 32 %) deuten auf ein Artendefizit sowie verschobene Arten- und Abundanzverhältnisse innerhalb dieser charakteristischen Gruppe hin. Bestimmt wird die Höhe des Metric-Wertes durch Faktoren wie besondere Laufstrukturen und den Waldanteil im Einzugsgebiet.

Fauna-Index Typ 11/12: Der Index ist hoch mit positiven Strukturelementen korreliert und bewertet somit vor allem die Auswirkungen struktureller Degradation auf Habitatebene (z. B. Vorkommen oder Fehlen bestimmter Mikro­habitate), reagiert aber auch auf Beeinträchtigungen auf Einzugsgebietebene (z. B. verstärkte Sedimentation aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen). Höhere Werte des Metrics (>= 0,38) indizieren ein strukturell intaktes Gewässer und sind bedingt durch das Vorkommen von Taxa, die bevorzugt Gewässer mit naturnaher Morphologie besiedeln (z. B. xylophage Arten wie Macronychus quadrituberculatus und Lasiocephala basalis). Strukturelle Verarmung zeigt sich durch das Vorkommen von Taxa, die in Gewässern mit degradierter Morphologie verbreitet sind, darunter die Eintagsfliege Caenis horaria oder die Köcherfliege Goera pilosa in größeren Individuendichten. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes bestimmen, sind insbesondere besondere Lauf- und Uferstrukturen sowie der Waldanteil im Einzugsgebiet.

Anzahl Trichoptera-Arten: Köcherfliegen sind in naturnahen Organisch geprägten Bächen mit mehreren, teilweise spezialisierten Arten vertreten (>= 5 Taxa), die bevorzugt Sekundärsubstrate wie Totholz oder Makrophyten besiedeln und das Vorkommen einer diversen Makrozoobenthoszönose indizieren. Typspezifische Arten sind u. a. Lasiocephala basalis sowie Halesus digitatus und H. radiatus, die sich vorwiegend als Zerkleinerer der Wasser­pflanzen und des partikulären organischen Materials ernähren. Niedrige Werte des Metrics lassen u. a. auf Strukturarmut, z. B. durch das Fehlen der organischen Sekundärsubstrate schließen. Weitere Faktoren, die das Vorkommen von Trichoptera-Arten beeinflussen sind der Siedlungsanteil im Einzugsgebiet sowie das Vorhandensein besonderer Uferstrukturen.


Modul „Versauerung“:

Für diesen Gewässertyp nicht relevant.

Textliche Erläuterung:

entfällt


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 17.10.2018
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